Galenica: Etienne Jornod, VR-Präsident und CEO der Galenica Gruppe zu Strategie und Erfolgsfaktoren
17.03.10 13:41

Interview mit Etienne Jornod, VR-Präsident und CEO der Galenica Gruppe

 

Etienne Jornod, welches sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Elemente für eine erfolgreiche Unternehmensstrategie?

[Etienne Jornod, Galenica]
Die Unternehmensleitung muss eine sehr präzise Vorstellung davon haben, was sie genau machen will. Dazu gehört, dass man sich erreichbare Etappenziele setzt und die nötige Zeit dafür einplant. Am wichtigsten erscheint mir jedoch der unerschütterliche Wille, den Kurs zu halten und sich nicht durch Empfehlungen beirren zu lassen, die nur auf kurzfristigen Erfolg aus sind. Es ist unglaublich, wie häufig wir in den letzten 14 Jahren dazu aufgefordert wurden, die Gruppe aufzuteilen. Dabei hat jedes einzelne Teil des Puzzles massgeblich dazu beigetragen, dass sich unser Gewinn über die letzten 13 Jahre jeweils um durchschnittlich 18 % pro Jahr entwickelt hat und der Aktienkurs in der gleichen Zeit um über 890 % angestiegen ist.

 


 

 

Und was kann eine Strategie zum Scheitern verurteilen?

[Etienne Jornod, Galenica]
Da gibt es eine ganze Reihe von Gründen: eine falsche Vision, fehlende Konstanz, falscher Einsatz der Kräfte, kurzfristig orientierte Kompromisse, die zu Lasten der nachhaltigen Zielsetzungen gehen, oder ganz einfach auch menschliche Schwächen und Fehlentscheide.


Welches waren die Erfolgsfaktoren von Galenica?

[Etienne Jornod, Galenica]
Am Anfang, 1995, stand die Überzeugung des Verwaltungsrats und der Generaldirektion, Galenica zu transformieren. Ein Stillstand hätte auf Grund der Umstände über kurz oder lang zum Desaster geführt. Dies war der entscheidende Faktor. Wir waren deshalb auch bereit, gewisse Risiken einzugehen. Unsere exzellenten Kenntnisse des Gesundheitsmarktes und dessen Entwicklungstendenzen halfen uns bei unseren Entscheiden. Es genügt nämlich nicht, einfach etwas zu machen. Man muss wissen, was zu tun ist!

Schliesslich kamen uns verschiedene Trümpfe zugute, die wir von Anfang an systematisch eingesetzt haben: 

unsere Expertise in der Entwicklung und Herstellung von Eisenpräparaten für Unternehmen im Ausland, unsere verschiedenen OTC -Produkte sowie unsere genauen Kenntnisse über den Schweizer Medikamentenmarkt.
 

Sie haben 2008 und 2009 für über 1,5 Milliarden Franken Akquisitionen im In- und Ausland getätigt. Wie finanzieren Sie Ihre Vorhaben?

[Etienne Jornod, Galenica]
Grundsätzlich wird die Finanzierung von strategischen Projekten auf Stufe der Gruppe beurteilt, unabhängig von der Zugehörigkeit zu einem Geschäftsbereich.

Entspricht ein Vorhaben unseren strategischen Zielsetzungen, wird es auf Basis unserer internen Kriterien auf seine Wirtschaftlichkeit geprüft. Kriterien sind schwergewichtig die Discounted-Cash-Flow-Methode (DFC), also die diskontierten zukünftigen Erträge. Diese werden mit dem jeweils branchenüblichen Weighted Average Cost of Capital (WAC ), dem gewichteten durchschnittlichen Zins für die Kapitalkosten, abdiskontiert. Zusätzlich wird auch die Pay-Back-Periode miteinbezogen, also die Dauer, bis die Investition ertragsmässig zurückbezahlt ist.

Die Finanzierung selbst erfolgt mit eigenen Mitteln oder mit Fremdfinanzierung über die Aufnahme von Darlehen oder die Erhöhung des Aktienkapitals. Für die bedeutenden Akquisitionen der vergangenen zwei Jahre – Aspreva,  Sun Store und OM Pharma – haben wir jeweils Darlehen aufgenommen, da wir über eine ausreichende Verschuldungskapazität verfügten.

 

Finanzlage per 31.12.2009

 

 

Welche Strategie verfolgen Sie in Forschung und Entwicklung?

[Etienne Jornod, Galenica]
In der Forschung und Entwicklung konzentrieren wir uns hauptsächlich auf Projekte, die mit der eisenmangelbedingten Blutarmut zusammenhängen, sowie auf Medikamente auf Eisenbasis, wie etwa den Phosphatbinder PA 21.

Wir haben unsere F&E-Aufwendungen sukzessive erhöht, auch für klinische Studien, um wissenschaftliche Daten für den Einsatz von Eisenpräparaten ausserhalb des Therapiegebietes der Dialyse zu gewinnen. Finanziert werden diese Aufwendungen aus den selbst erarbeiteten Mitteln von Vifor Pharma.

2008 haben wir mit rund 80 Millionen Franken fast doppelt soviel investiert wie jeweils in den vergangenen drei Jahren; und für die folgenden drei Jahre planen wir Investitionen von jährlich über 100 Millionen Franken. Das ist für eine Pharmafirma unserer Grösse sehr bedeutend! Wir sind überzeugt, dass sich unsere Investitionen langfristig lohnen.

 


 

 


 

 

Quelle:  Text; Galenica "News" Dez 09  Grafiken; Präsentation BMK 2010

 

 

 
Next >
contact us